Die Entscheidung des europäischen Gerichtshof (EuGH) zum Unisex-Urteil, wonach es ab dem 21.12.2012 keine Beitragsunterschiede mehr für Frauen und Männer bei Neuabschlüssen geben darf, beschäftigt die Versicherungsbranche sehr. Die Versicherungsmathematik muss komplett umgestellt werden.

In der privaten Krankenversicherung wird es wohl zu den größten Auswirkungen kommen, obwohl hier die Auswirkungen wenig bekannt sind.

Hinter den Kulissen tobt ein Zwei-Fronten-Krieg. Einerseits gibt es unterschiedliche Auffassungen in der Branche selbst, ob ab 2013 nur im Neugeschäft Unisex-Tarife angeboten werden sollen – wie es das Urteil verlangt, oder auch im Bestand. Andererseits müssten für die Einbeziehung des Bestandes Gesetze geändert und somit Politiker und Behörden gewonnen werden. Auch hier ist noch keine stabile Mehrheit zu erkennen. Bis Ende Januar sollte jedoch der politische Wille geklärt werden, „sonst wird es mit dem Umsetzung der Neukalkulationen und IT schwierig bis zum Jahresende“, sieht ein Mathematik-Vorstand voraus.

Im Moment zeichnet sich eine Mehrheit in der Branche ab, das Urteil auch für den Bestand einzuführen um Fehlanreize und Bestandswechsel in der privaten Krankenversicherung zu vermeiden.

Bleiben Unisex-Tarife auf das Neugeschäft beschränkt, wird es für Neukunden-Frauen deutlich billiger und für Neukunden- Männer deutlich teurer. Nahezu alle Bestands-Frauen würden dann zu einem billigeren Unisex-Tarif wechseln, vorzugsweise beim bisherigen Unternehmen. Wenn das viele tun – im Bestand gibt es eine Frauenquote von 25 Prozent –, könnte der günstige Unisexbeitrag ganz schnell wieder auf den Preis des alten Frauentarifs klettern.

Ein weiteres Problem: Nach §12 Absatz 2 VAG wäre es gesetzeswidrig wenn Neukunden-Frauen deutlich weniger zahlen als Bestandkunden-Frauen. Demnach müsste man das Gesetz ändern. Weiterhin kann nach § 204 VVG jeder Bestandkunde verlangen seinen Bestandstarif  in einen gleicharten Unisex-Tarif umzustellen.  Das führt unausweichlich zu Beitragssteigerungen, da der Unisex-Tarif unterkalkuliert wäre.

Es bleibt also spannend ….

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